Die Glasmalerei ist eine Kunstform, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat und eng mit der Geschichte der Architektur, insbesondere des Kirchenbaus, verbunden ist. Von den einfachen Mosaiken der Frühzeit bis hin zu den komplexen Gemälden der Spätgotik und Renaissance hat die Glasmalerei immer wieder neue technische und künstlerische Höhepunkte erreicht.
Die Anfänge:
- Schon die alten Ägypter und Phönizier kannten die Herstellung von farbigem Glas, das sie hauptsächlich für Gefäße verwendeten.
- In der römischen Kaiserzeit wurde die Technik des Tafelglases entwickelt, allerdings zunächst nur in kleinen, undurchsichtigen Stücken.
- Die christliche Kirche erkannte früh das Potenzial von Glas für die Ausstattung ihrer Kirchen, zunächst in Form von einfachen Mosaiken aus kleinen, farbigen Glasstücken.
Die Entwicklung der Glasmalerei:
- Ab dem 5. und 6. Jahrhundert entstanden in Italien und Frankreich die ersten Glasmosaike, die als Vorläufer der Glasmalerei gelten.
- Im 9. Jahrhundert erreichte die Technik Mitteleuropa.
- Um das Jahr 1000 wurde die Technik des Schwarzlots erfunden, einer schwarzen Farbe, die sich beim Brennen mit dem Glas verbindet und so dauerhafte Konturen und Schatten ermöglichte.
- Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte die Glasmalerei im romanischen Stil ihre erste Blütezeit, insbesondere in Frankreich. Die Fenster waren noch relativ klein und dienten vor allem der Dekoration.
Mit dem Aufkommen der Gotik im 14. Jahrhundert wurden die Fenster größer und die Glasmalerei gewann an Bedeutung. Sie verdrängte zunehmend die Wandmalerei und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der gotischen Architektur.
- In der Spätgotik (ab dem 15. Jahrhundert) wurden die Techniken der Glasmalerei weiter verfeinert. Die Erfindung des Silbergelbs und die Verwendung von Überfanggläsern ermöglichten eine größere Vielfalt an Farben und Schattierungen.
- Die Renaissance (ab dem 16. Jahrhundert) brachte neue künstlerische Impulse in die Glasmalerei. Die Figuren wurden plastischer dargestellt und die Perspektive hielt Einzug.
- Mit dem Barock (ab dem 17. Jahrhundert) veränderte sich der Geschmack und die Glasmalerei geriet in Verfall. Die Fenster wurden zunehmend durch einfache, helle Verglasungen ersetzt.
Die Verwendung in Kirchen und bürgerlichen Häusern:
- Im Mittelalter war die Glasmalerei vor allem eine Kunstform für Kirchen. Die großen Fenster der gotischen Kathedralen boten ideale Flächen für die Darstellung biblischer Szenen und Heiligenlegenden.
- Ab dem späten Mittelalter fanden Glasfenster auch Einzug in bürgerliche Häuser, insbesondere in Zunfthäuser und die Wohnhäuser wohlhabender Bürger.
- In der Renaissance wurden Wappen und andere weltliche Motive in die Glasmalerei integriert.
- Im 17. und 18. Jahrhundert verlor die Glasmalerei in Kirchen und Privathäusern an Bedeutung.
Die Wiederentdeckung der Glasmalerei:
- Im 19. Jahrhundert wurde die Glasmalerei im Zuge der Romantik und der Gotikbegeisterung wiederentdeckt.
- Im 20. Jahrhundert erlebte die Glasmalerei eine neue Blütezeit. Neue Techniken und Materialien ermöglichten innovative Gestaltungsmöglichkeiten.
Die Glasmalerei ist bis heute eine lebendige Kunstform, die sowohl traditionelle als auch moderne Elemente vereint.

