Die Herstellung von bemalten Glasfenstern für eine Kirche wie St. Leonhard im 14. Jahrhundert war ein komplexer und aufwendiger Prozess, der mehrere Schritte umfasste und verschiedene Handwerker involvierte.

  1. Planung und Entwurf:
  • Der Meisterglasmaler war für die Planung und den Entwurf des Fensters verantwortlich. Er besprach mit dem Kirchenbaumeister und den Stiftern die gewünschte Ikonographie, die Größe des Fensters und die Farbigkeit.
  • Der Entwurf wurde zunächst in kleinerem Maßstab auf Pergament gezeichnet und anschließend in voller Größe auf ein weißes Brett übertragen. Dieser Entwurf, der Karton genannt wurde, enthielt alle Details der Darstellung, die Umrisse der Bleiruten und die Farbangaben.
  1. Glasherstellung und Auswahl:
  • Die Glasstücke wurden in der Regel nicht von den Glasmalern selbst hergestellt, sondern von Glashütten bezogen. [3, 4]
  • Die Glashütten befanden sich oft in Waldgebieten in der Nähe von Flüssen, da dort die notwendigen Rohstoffe wie Sand und Holzasche (Pottasche) reichlich vorhanden waren. [3, 4]
  • Farbiges Glas wurde durch die Zugabe von Metalloxiden zum geschmolzenen Glas hergestellt. [3]
  • Der Meisterglasmaler wählte die passenden Gläser in den gewünschten Farben und Farbtönen aus. [2]
  1. Zuschnitt und Bearbeitung des Glases:
  • Die Glasstücke wurden anhand des Kartons zugeschnitten. Dazu wurde ein heißes Eisen entlang der vorgezeichneten Linien geführt, wodurch das Glas kontrolliert brach. [2, 5, 6]
  • Die Kanten der Glasstücke wurden mit einem speziellen Werkzeug, dem Rilleisen, geglättet. [5]
  1. Bemalung des Glases:
  • Details wie Schatten, Konturen und Gesichtszüge wurden mit Schwarzlot auf das Glas gemalt. [7, 8]
  • Schwarzlot war eine Farbe aus Kupfer- oder Eisenoxid, die mit Wein oder Urin und Gummiarabikum als Bindemittel angemischt wurde. [7]
  • Um unterschiedliche Farbtiefen zu erzielen, konnten die Glasstücke beidseitig bemalt werden. [7]
  • Feine Linien konnten durch Schaben oder Auswaschen der Farbe erzeugt werden. [9]
  1. Brennen der Farbe:
  • Die bemalten Glasstücke wurden in einem Ofen bei ca. 600 Grad Celsius gebrannt. [7]
  • Durch den Brennvorgang verschmolz die Farbe mit dem Glas und wurde dauerhaft fixiert. [7]
  1. Zusammensetzen der Glasstücke:
  • Die gebrannten Glasstücke wurden gemäß dem Karton auf einem Tisch ausgelegt. [5]
  • H-förmige Bleiruten (Bleikämme) wurden um die Kanten der Glasstücke gelegt, um sie zusammenzuhalten. [7, 10]
  • Die Bleiruten wurden miteinander verlötet und die Zwischenräume mit Kitt abgedichtet. [7, 10]
  • Zur Stabilisierung des Fensters wurden eiserne Sattelstangen am Bleinetz befestigt. [7, 10]
  1. Einbau des Fensters:
  • Das fertige Fenster wurde zur Kirche transportiert und in den dafür vorgesehenen steinernen Rahmen, den Anker, eingesetzt. [11, 12]
  • Der Anker bestand aus einem Netzwerk von Eisenstangen, das die Stabilität des Fensters zusätzlich erhöhte. [11, 12]

Die Glasfenster der St. Leonhard Kirche sind ein Zeugnis der hohen Kunstfertigkeit der mittelalterlichen Glasmaler und zeugen vom großen Aufwand, der in ihre Herstellung investiert wurde.