Die Stadtmauer von St. Leonhard im Lavanttal umschließt wahrscheinlich seit dem 14. Jahrhundert die Stadt. Teile der einst stark befestigten Wehrmauer sind bis heute erhalten und prägen das historische Stadtbild. Der Bau der Mauer diente von Anfang an dem Schutz der Bürger und Einwohner. Die Errichtung der Mauer kann als Folge der Stadterhebung von 1325 betrachtet werden. Die Bürger hatten das Recht und die Pflicht, sich jederzeit wirksam gegen Gefahren von außen zu schützen. Ringmauer, Turm und Wehranlagen wurden in jahrelanger Arbeit errichtet und auch in späteren Jahrhunderten immer weiter ausgebaut und modernisiert. Entlang der Mauer gab es auch einen Stadtgraben, der im Gefahrenfall mit Wasser aus dem Feistritzbach geflutet werden konnte. Angesichts der drohenden Türkengefahr wurde die Stadtmauer gegen Ende des 15. Jahrhunderts weiter verstärkt. Auch später waren die Bürger verpflichtet, für die Erhaltung und Wartung der gemeinsamen Wehr- und Schutzanlagen durch verschiedene finanzielle Abgaben aufzukommen.
Allgemeine Informationen über mittelalterliche Stadtmauern
Stadtmauern waren im Mittelalter wesentliche Bestandteile des urbanen Lebens und Ausdruck der Autonomie einer Stadt. Sie hatten sowohl eine Schutzfunktion als auch eine symbolische Bedeutung, indem sie die Grenzen der städtischen Freiheit markierten.
Typischerweise bestanden Stadtmauern aus mehreren Elementen:
- Ringmauer: Eine geschlossene, meist aus Bruch- oder Feldsteinen errichtete Mauer, die den Stadtkern vollständig umgab.
- Wehrtürme: In regelmäßigen Abständen eingebaute Türme ermöglichten eine bessere Verteidigung. Diese Türme boten Platz für Bogenschützen oder Armbrustschützen und wurden in späteren Jahrhunderten für Kanonen angepasst.
- Stadtgraben: Oft von einem Wassergraben begleitet, der das Überqueren der Mauern erschwerte. Manche Städte nutzten angrenzende Flüsse oder künstliche Zuleitungen, um ihre Gräben mit Wasser zu füllen.
- Tore: Monumentale Stadttore dienten nicht nur als Ein- und Ausgangspunkte, sondern auch als Kontrollstellen für Waren und Personen. Sie waren häufig mit Fallgittern und Zugbrücken ausgestattet.
Die Errichtung und Wartung solcher Anlagen war eine gemeinschaftliche Aufgabe der Bürger, die durch Steuern, Arbeitsleistungen oder andere Abgaben dazu beitrugen. Mit der Entwicklung der Feuerwaffen im Spätmittelalter verloren viele Stadtmauern jedoch ihre militärische Bedeutung, was dazu führte, dass einige geschleift oder in zivile Gebäude umgewandelt wurden.
Die Stadtmauern waren nicht nur militärische Bauwerke, sondern prägten das Stadtbild und waren oft in das tägliche Leben integriert. So wurden Wehrgänge genutzt, um Patrouillen durchzuführen, und in den Türmen fanden manchmal auch Wachleute oder kleine Lager Platz. In Friedenszeiten dienten die Mauern zudem als Statussymbol und Abgrenzung zur umliegenden ländlichen Region.

